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Charakterbogen – was braucht eine lebendige Figur?

27. Februar 2016

Es gibt viele Ansätze dazu, wie aus einer Geschichte eine gute Geschichte wird. Einer davon ist die „charaktergetriebene“ Geschichte. Das bedeutet, die Geschichte kommt ins Rollen und wird vorangetrieben durch tiefe, lebendige Charaktere mit starken Handlungsmotiven, die miteinander in Konflikt stehen. Auch innere Konflikte der Figuren sind wichtig, weil sie die Geschichte des Einzelnen vorantreiben und lebendig werden lassen.
Ein gutes Beispiel dafür finde ich Batman, insbesondere die neueren Verfilmungen, in denen ein sehr starker Fokus auf Bruce Waynes Vergangenheit und Innenleben gelegt wird. Gleiches gilt für die Antagonisten wie beispielsweise Harvey „Two-Face“ Dent, der ja eigentlich ein „Guter“ war, bevor er die Liebe seines Lebens verloren hat. Er ist nicht einfach böse, sondern eher verletzt und verzweifelt. Batman wiederum ist nicht nur der Held weil er eben so edel und gut ist, sondern weil er seine Eltern durch einen Raubüberfall verloren hat und nun andere vor einem ähnlichen Schicksal bewahren will. Nebenbei hat er auch einige große Schwächen – ihr versteht schon, was ich meine, oder?

Charakterbogen LimayWie aber erschafft man eine tiefe, lebendige Figur? Ich habe mir dafür eine Art Charakterbogen gebastelt.

Den Charakterbogen kennt so mancher sicherlich aus Pen & Paper- oder Online-Rollenspielen. Darauf ist festgehalten, welche Rasse und Klasse die eigene Spielfigur hat, was sie wie gut kann und welche Gegenstände sie besitzt. Manchmal enthält er auch ein paar Sätze zum Hintergrund des Charakters, z.B. in welcher Stadt er geboren wurde und ob er aus armen oder gehobenen Verhältnissen stammt. Damit haben wir doch schon eine ganze Reihe Anhaltspunkte, worüber sich ein Autor beim Erfinden seiner Romanfiguren Gedanken machen kann:

 

Vergangenheit

Keine Figur stolpert jungfräulich in eine Geschichte. Jede hat eine Vergangenheit, auf der ihr jetziges Handeln basiert. Diese Vergangenheit muss weder bis ins Kleinste ausformuliert werden, noch sollte sie vor dem Leser der Geschichte ausgewalzt werden. Aber der Autor muss seine Figuren kennen. Nur dann werden sie den Leser spüren lassen, dass noch mehr dahinter steckt, dann bekommen sie Tiefe.

Zu der Vergangenheit eines Charakters kann man sich die unterschiedlichsten Fragen stellen:

Wann und wo wurde er geboren?
War es eine friedliche, turbulente oder konfliktvolle Zeit? Lebte der Charakter in einer ländlichen Gegend oder in der Stadt?

Welches Sternzeichen hat er?
Die Charakterisierungen der verschiedenen Sternzeichen liefern oft schöne stimmige Vorlagen für Charakterzüge.

Welche Familiensituation herrschte zu Hause?
War die Figur ein verwöhntes Einzelkind oder eines von mehreren Geschwistern? Waren Vater / Mutter zuhause oder ständig unterwegs? Was wurde den Kindern beigebracht, welche Glaubenssätze waren wichtig? All das prägt.

Wie war die Stellung in Gruppen?
Haben die anderen Kinder auf das gehört, was die Figur gesagt hat oder war sie eher der Mitläufer, vielleicht sogar der Außenseiter?

 

Hobbys

Ist unsere Figur sportlich oder träge?
Welche Filme oder Bücher mag sie?
Ist sie kreativ? Malt gern, tanzt, singt?
Sammelt sie antike Schwerter oder vielleicht Briefmarken?
Welche Spiele gefallen ihr?

Diese Dinge wirken sich auch auf die Sprache aus, z.B. welche Redewendungen oder Metaphern sie verwendet.

 

Sprache

Gerade für Dialoge ist es wichtig, die verschiedenen Charaktere mit unterschiedlichen Sprechweisen auszustatten. Der Leser soll immer sofort wissen, wer spricht.
Das fängt einfach an, bei einer bäuerlich simplen, direkten Wortwahl versus der gestelzten Ausdrucksweise eines Adligen. Aber auch ohne großes soziales Gefälle lässt sich einiges machen, z.B. wie oben erwähnt durch Hobbys. So kann ein Kartenspieler durchaus mal fordern: „So, nun aber Karten auf den Tisch“, oder ein musikalischer Mensch schimpft: „Na hör mal, der Ton macht die Musik!“
Ebenso kann eine Figur ihre Rede grundsätzlich mit „Also …“ beginnen oder ständig Floskeln einstreuen wie „im Prinzip …“. Auch Mundart ist eine beliebte Methode, Farbe in die Sprache zu bringen. (Achtung, bei all dem nicht inflationär verwenden und den Leser nerven!)

 

Stärken und Schwächen

Klar, dass jeder Held etwas hat, das er besonders gut kann und das ihn auszeichnet. Diese Stärke sollte er bei der Bewältigung seiner Probleme schonungslos ausspielen, aber natürlich darf das nicht reichen, um am Ende den Sieg davon zu tragen. Denn dafür muss der Held über sich hinauswachsen und auch seine Schwächen überwinden.
Die Schwächen werden nämlich vom Antagonisten ebenso schonungslos ausgenutzt und sollte der Held vor irgendetwas Angst haben, dann wird er diesem 100%ig auch begegnen.
Abgesehen davon sind die Schwächen eines Charakters das, was ihn wirklich lebendig und menschlich macht.

Um diesen Aspekten näher zu kommen, kann man sich folgende Fragen stellen:

Was ist die beste Erinnerung der Figur?
Was ist die schlimmste Erinnerung?
Was ist ihre größte Angst? Was passiert, wenn sie dieser im Lauf der Geschichte begegnet?
Welches Geheimnis darf nie jemand erfahren? (Natürlich kommt es raus!)
Welchen Herzenswunsch / Traum / Ziel verfolgt die Figur insgeheim?
Welchen entscheidenden Entwicklungsschritt macht sie im Lauf der Geschichte? (Nur dadurch kann sie den Konflikt lösen und siegreich sein!)

Das sind eine ganze Menge Punkte und doch gibt es noch so viel mehr, was man ergänzen könnte. Je nachdem welchen Fokus die Geschichte legt, sind manche Aspekte vielleicht auch weniger wichtig als andere. Letztendlich dürft ihr mit allem experimentieren und bestimmt kommt bei jedem Autor ein etwas anderer Charakterbogen heraus :)

Pfote

 

 

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