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50.000er Marathon – Checkliste für den NaNoWriMo

29. Oktober 2016

Halloween steht vor der Tür: der Kürbis wurde ausgehölt und mit einer unheimlichen Fratze versehen, das Gruselkostüm für die Party hängt auf dem Bügel, das Rezept für blutiges Fingerfood liegt bereit. Doch was mir gerade wirklich einen Schauer über den Rücken laufen lässt ist …

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Nur noch wenige Tage bis zum NaNo!!! *kreisch*

Vielen Schreibverrückten treibt dieses Event jedes Jahr aufs Neue den Schweiß auf die Stirn. Ein Roman in einem Monat! 50.000 Wörter in 30 Tagen!

Der National Novel Writing Month (kurz: NaNoWriMo oder deutsch: Novemberschreiben) heißt, den inneren Lektor wegsperren und einfach drauf los schreiben. Einfach? Naja, ganz so einfach ist es dann doch nicht – zumindest für mich ;)

Wenn ich beim NaNo antrete, dann bedeutet das für mich, konsequent jeden Tag 2 Stunden zu schreiben – auch wenn die Lust fehlt, die Muse sich verkriecht und die Wäsche sich stapelt. Auf den ersten Blick klingt das verdammt anstrengend. Ist es auch, da brauch man sich keine Illusionen machen. ;) Aber auf der anderen Seite gibt es keine bessere Zeit im Jahr, um sich mal vom Alltag freizuschaufeln und sich vorrangig der eigenen Romanidee zu widmen. Nämlich dann, wenn alle anderen es auch tun. Diese Gruppendynamik war mir – wenn auch überwiegend virtuell – immer eine große Hilfe. Das beginnt dabei, seinen Wortstand mit denen der Mitstreiter zu vergleichen und endet auf den NaNo-Boards in verschiedenen Schreibforen, auf denen man sich austauscht und gegenseitig anstachelt.

Wenn ich dann mein Pensum erfüllt (vielleicht sogar übererfüllt) habe, ist das ein großartiges Gefühl. Sonst stecke ich auch nur ganz selten in einem Flow, bei dem die Geschichte sich vor meinen Augen entfaltet, ich wirklich mittendrin bin und sogar beim Autofahren oder Spülen den Gesprächen meiner Figuren lauschen kann. Ich kann richtig Abtauchen in diese Welt und das ist einfach fantastisch.

Deshalb tue ich mir diesen Wahnsinn in diesem Jahr schon zum 7. Mal an.

Mit den Jahren habe ich einiges darüber gelernt, was mir bei diesem Marathon hilft und was nicht. Deshalb gibt es mittlerweile eine „Checkliste“für das Abenteuer Novemberschreiben. Vielleicht hilft sie ja auch dem einen oder anderen von euch …

Lesen im Herbst - Renate Bayer.jpg

Foto von Renate Bayer

 

Checkliste für den NaNoWriMo

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  • Plant eure tägliche Schreibzeit ein

Alle die nebenberuflich Autoren sind wissen genau, wie schwer es sein kann, die eigene Leidenschaft zwischen Brötchenjob, Familie, Haushalt und sonstigen Verpflichtungen unterzubringen. Wenn ihr am NaNo teilnehmt, räumt ihr eurem Hobby in diesem Monat einen ganz besonderen Stellenwert ein. Dies zeigt sich unter anderem darin, dass das Schreiben einen festen Platz im Tagesablauf bekommt.
Ernest Hemingway war der Meinung, dass die wichtigsten Dinge (also das Schreiben) zu allererst am Tag erledigt werden sollten. Ich bin zwar leider überhaupt kein Frühaufsteher, trotzdem ist es ein tolles Gefühl, wenn man beim Frühstück machen schon weiß, die ersten 1.000 Wörter sind im Kasten.
Ganz egal, welche Zeit für euch zum Schreiben die beste ist, ein fester Zeitpunkt macht es nicht nur schwerer, sich raus zu reden, er schafft euch auch zwischen all den anderen Anforderungen den Freiraum den ihr braucht, um die Ziellinie von 50.000 zu erreichen.

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  • Schafft euch einen ungestörten Arbeitsplatz ohne Ablenkung

Wer ein Arbeitszimmer mit abschließbarer Tür hat, für den ist dieser Punkt sicherlich kein großes Problem. Mein Arbeitsplatz befindet sich im Wohnzimmer und bietet daher wenig Abgeschiedenheit. Diese schaffe ich mir, indem ich Kopfhörer aufsetze und damit die Welt um mich herum ausblende.
Außerdem ist mein Schreibtisch grundsätzlich unaufgeräumt. Für den November werden die Papierberge jedoch abgebaut, denn schließlich brauche ich Platz für neue Ideen. Aber Ablenkung geht nicht nur von dem Stapel Rechnungen aus, der noch neben der Tastatur liegt sondern vielleicht auch von der simplen Möglichkeit, das E-Mail Postfach, Facebook oder Twitter zu besuchen. Wenn ihr für so etwas anfälig seid, solltet ihr eventuell zusätzlich während der Schreibzeit die Internetverbindung kappen, das Smartphone auf dem Klo einschließen und das Telefon ausstöpseln ;)

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  • Erzählt eurer Familie, Freunden und Bekannten von eurem Ziel

Dieser Tipp hat zwei gute Gründe:
1. Die anderen wissen Bescheid, dass sie im November nicht mit euch zu rechnen brauchen und kommen im Idealfall gar nicht auf die Idee, euch ins Kino / auf die Party / zu dem Ausflug einzuladen. Daraus ergibt sich für euch mehr Schreibzeit und weniger Ablenkung.
2. Für ein Ziel, das ihr anderen mitgeteilt habt, entwickelt ihr automatisch mehr Ehrgeiz. Schließlich könnte es ja sein, dass jemand danach fragt und dann möchtet ihr doch ein präsentables Ergebnis vorweisen können, oder?

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  • Tut euch mit anderen Verrückten zusammen

Schreiben ist generell eine eher einsame Tätigkeit. Da tut es unheimlich gut zu wissen, dass man mit seiner Leidenschaft nicht allein ist. Vor allem bei diesem November-Marathon. Auf der offiziellen Webseite des NaNoWriMo gibt es Foren in jeder Landessprache, in denen man sich über das aktuelle Projekt, die momentanen Probleme und Herausforderungen oder einfach so austauschen kann. Außerdem bietet die Seite neben der persönlichen Schreibsttistik einen Wordcount Button, den man auch auf seiner eigenen Webseite oder Forensignatur einbunden kann. So sieht jeder gleich den eigenen Wordstand und man kann sich mit den anderen Teilnehmern vergleichen. Ein kleiner Wettstreit, der zusätzlich anstachelt.

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  • Wisst, was ihr schreiben wollt

Nein, ich möchte hier niemandem das Bauchschreiben ausreden. Ein besonderer Reiz des Nano ist es schließlich, nicht so genau zu wissen, wohin diese 30 Tage euch am Ende führen. Trotzdem rate ich dazu, zumindest einen groben Plan zu haben, welchen Verlauf die Handlung nehmen soll und welche wichtigen Szenen in der Geschichte vorkommen sollen. So habt ihr immer einen Spickzettel zur Hand, wenn ihr einmal festhängen solltet. Außerdem bietet so ein Plotplan die Möglichkeit, beim Schreiben der Geschichte zeitlich zu springen. Ihr seid nicht gezwungen, der Handlung chronologisch zu folgen und werdet euch trotzdem nicht verzetteln.

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  • Verabschiedet euch vom Perfektionismus und verbannt den inneren Lektor

Beim Novemberschreiben geht es nicht darum, am Ende den perfekten, veröffentlichungsreifen Roman zu haben. Vielmehr entsteht in diesen 30 Tagen das Rohmaterial eines Textes – und zwar möglichst viel davon. Es ist nicht wichtig, wie gut ihr diesen ersten Text findet. Wichtig ist, dass ihr ihn geschrieben habt. Denn er ist der Ausgangspunkt für kontinuierliche Überarbeitung und Verbesserung. Kein Text ist von Anfang an perfekt (auf der von Profis nicht) und ohne das Rohmaterial wird es niemals einen Roman geben. Einen schlechten Text kann man überarbeiten, ein leeres Blatt nicht. Deshalb müsst ihr die nervige kleine innere Stimme, die an jedem gerade getippten Satz etwas auszusetzen hat, in den finstersten Keller sperren. Gut kommt später. Jetzt wird erst einmal runtergeschrieben ;)

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  • Sucht euch passende Musik zusammen

Beim Thema ungestörter Arbeitsplatz habe ich ja schon erwähnt, dass ich mir zum Schreiben immer Kopfhörer aufsetze, um meine Umgebung auszublenden. Die Musik, die ich mir anhöre, dient natürlich dazu, mich in die für meine Geschichte passende Stimmung zu versetzen. Zu Fantasy passt meiner Meinung nach am besten Epic Music. Zum Glück ist Youtube mittlerweile voll davon :) Von archaischer Schlachtenuntermalung über geheimnisvolle Feenklänge bis zu gefühlvoller Romantik ist in diesem Genre alles zu finden – und das mit Spieldauern von mehreren Stunden. Hier ein Beispiel.
Was ich persönlch vermeide, sind Stücke mit Gesang, da die Sprache mich beim Schreiben ablenkt.

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  • Versetzt euch mit eurem Lieblings-Tee, eurer Kuscheldecke etc. in positive Stimmung

Das Aufsetzen des Kopfhörers ist ein Verhaltensanker, den ich inzwischen so stark mit dem Schreiben verbinde, dass mein Hirn schon in diesen Modus schaltet, bevor ich die Musik angemacht habe. Eine Kanne von meinem Lieblingstee (natürlich schwarz, dann bleibe ich abends länger fit) gehört für mich auch dazu. Gestaltet euch eure Schreibzeit angenehm und belohnt euch dafür, euch ranzusetzen.

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  • Legt euch einen Wortvorrat an

Die beste Planung und Vorbereitung kann vom Alltag überholt werden. Zum Glück ist der 1. November in Süddeutschland (und auch in anderen Ländern) ein Feiertag. Perfekt also um ein bisschen hamstern zu gehen und sich ein Polster für schlechtere Tage anzulegen. Gerade in den ersten Tagen ist die Begeisterung noch frisch und kann euch zu ungeahnten Höhenflügen tragen.
Geratet ihr in Rückstand und müsst aufholen, kann das leicht die Motivation und den Spaß an der Sache untergraben. Ich persönlich tue mich viel leichter, dem Soll voraus zu sein. Und in der eigenen Schreibgruppe am oberen Ende des Rankings zu stehen, bewirkt sein Übriges.

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So, es wird Zeit, mich um die Abarbeitung meiner Checkliste zu kümmern.

Ich wünsche allen, die dieses Jahr an der Abenteuertour „NaNoWriMo“ teilnehmen viel Spaß, Erfolg und einen fleißigen 24-Stunden Musenservice.

Pfote

5 Kommentare leave one →
  1. 29. Oktober 2016 13:28

    Leider ist der 1. November in Deutschland nicht überall ein Feiertag. Ich wäre auch froh, wenn ich mir an dem Tag ein Polster erscheinen könnte, aber vermutlich werde ich dem Ziel ein bisschen hinterher hinken, bis ich das Wochenende erreiche.
    Falls du mal feststeckst, schau mal in den neusten Artikel auf meinem Blog, ich habe nämlich gerade ein paar Tipps gegen Schreibblockaden im NaNo online gestellt.
    Viele Grüße
    Erin

  2. 29. Oktober 2016 13:45

    Hat dies auf Ryek Darkeners Blog rebloggt und kommentierte:
    Mal sehen, ob die Muse mich noch zu Samhain küsst. ;)

  3. 29. Oktober 2016 19:56

    Die Checkliste ist gut. Danke dafür. Dass du nun schon sieben Mal teilgenommen hast, ist der Wahnsinn. Bei mir ist es das zweite Mal. Ich persönlich finde die Community am wichtigsten. Letztes Jahr habe ich viele tolle Menschen kennengelernt mit denen ich mich austauschen konnte, was mich unglaublich angespornt hat. Dir jedenfalls auch viel Erfolg.
    +Mika+

    • 30. Oktober 2016 07:15

      Leider hat es nicht in jedem Jahr auch bis zu den 50.000 gereicht. Aber nicht schlimm. Hauptsache man war dabei. Ein Ergebnis hat man alle Mal. Ich wünsche dir besonders viel Spaß bei deiner 2. Runde :)

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