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Die Zähmung des Schreckgespenstes „Exposé“

21. April 2017

Der Roman ist fertig geschrieben, das Manuskript in vielen Überarbeitungen auf Hochglanz poliert, die Testleser begeistert. Wer möchte da nicht den nächsten Schritt wagen – den Schritt zu Verlag oder Agentur?

Doch mit dem Schweiß, Blut und Tränen, die man in sein Manuskript investiert hat, ist es leider noch nicht genug. Um den Text zu „verkaufen“ braucht es noch mehr. Und hier kommt das Schreckgespenst aller Schreiber ins Spiel – das EXPOSÉ!Kreisch

Keine meiner Autorenkolleginnen die ich kenne, tun sich damit leicht. Die eigene epische, emotionale, tiefgründige Geschichte auf wenigen Seiten zusammen zu pressen, ist eben nichts für schwache Nerven.

Die gute Nachricht: Wenn man es ein paar Mal gemacht hat, stellt sich (wie bei fast allem) eine gewisse Routine ein. Und nicht nur das, plötzlich stellt man fest, dass man von dieser Schinderei sogar noch profitieren kann. Wie das?

Was ist ein Exposé?
Ein Exposé ist ein Verkaufsdokument. Es sagt dem Verlag, was er bekommt. So ähnlich wie die Rückseite einer Müslipackung im Supermarkt. Was ist drin? Wieviel? Wer hat es hergestellt? Wer greift schon zu, wenn er nicht weiß, ob er Schoko- oder Früchtemüsli bekommt?

Oder auf einen Roman übertragen: Welches Genre, wieviele Seiten? Wer sind die wichtigsten Figuren? Was passiert im Wesentlichen und in welcher Reihenfolge?
Eigentlich ganz simpel, ohne Schnörkel und Schleifchen.
Warum ist es dann trotzdem so schwer?

Ein Grund ist sicherlich die Herausforderung, nüchtern und sachlich über die eigene, mit viel Herzblut geschriebene Geschichte zu berichten. Aber der Verlag ist nicht euer Leser. Deshalb sind Cliffhanger, Verschleierungen oder Behauptungen über die Qualität eures Textes hier fehl am Platz. Am besten, man lässt den eigenen Roman eine gewisse Zeit liegen, bis man genügend Abstand dazu hat. Alternativ kann man sich auch vorstellen, man wäre wieder in der Schule. Inhaltsangaben dürften wir ja alle noch kennen ;)

Ihr kommt trotzdem nicht weiter? Dann solltet ihr euch fragen, ob mit der Geschichte wirklich alles in Ordnung ist. Die nüchterne Brille des Exposéschreibens ist nämlich wunderbar dazu geeignet, Plotlücken oder Logikfehler aufzudecken. Viele Autoren schreiben deshalb als erstes das Exposé, bevor sie sich an das eigentliche Manuskript machen.
Wenn man nicht einfach berichten kann, was in der Geschichte hintereinander passiert, dann stimmt mit der Geschichte etwas nicht. Logisch, oder?

Das Exposé kann mir also tatsächlich dabei helfen, meine Geschichte weiter zu verbessern.

Was gehört in ein Exposé?
Wie gesagt, wir sprechen hier über ein Verkaufsdokument. Dieses sollte kurz, knapp und sachlich gehalten werden. 3 – 5 Seiten sollten daher ausreichen. Folgende Informationen müssen enthalten sein:

  • Euer Name und Kontaktdaten auf jeder Seite (Kopf- / Fußzeile)
  • Titel des Romanes (ggf. alternative Titel)
  • Genre (High-, Low- Urban Fantasy, Historischer Roman, etc.)
  • Umfang des Manuskriptes in Normseiten
  • Zielgruppe (so konkret wie möglich: Kinder von 6 – 10,  Leser von Autorin Musterfrau …)
  • Pitch: so kurz wie möglich Zusammenfassung der Handlung, ca. 3 – 5 Sätze
  • Figuren: nur die zentralen Figuren, ca. 2 Zeilen wesentliche Information über Rolle in der Geschichte, Motivation und ggf. Entwicklung
  • Inhaltsangabe: 2 – 3 Seiten, inkl. Ende mit Auflösung aller Konflikte

Achtung: Verlage und Agenturen können individuelle Anforderungen an Exposés haben. Informiert euch deshalb IMMER vorab auf den entsprechenden Webseiten über die Einreichungskriterien.

Und bitte, wählt eine angenehm lesbare Formatierung. Seitenbegrenzungen sind nicht dazu da, dass man den Inhalt auf Schriftgröße 9 und in 0,5 cm Rand zusammenquetscht.
Ich persönlich denke, mit Arial 12 pt. und 1,5 zeilig macht man wenig falsch.

Beispielexposé
Als ich damals anfing mit Exposéschreiben, hätte ich mir nichts sehnlicher gewünscht, als ein Beispielexposé an der Hand zu haben. Bei der Leipziger Autorenrunde wurde dieser Traum endlich (und etwas spät) Wirklichkeit, als Kristina Langenbuch von der Agentur Langenbuch & Weiß in ihrem Beitrag ein solches Exemplar an ihre Zuhörer verteilte.

Natürlich werde ich mich nicht erdreisten, dieses Exposé einfach zu kopieren. Ich habe mein Beispiel aber anhand dieser Vorlage erstellt. (Bitte nicht über den Inhalt lästern ;)

*Tammtadadamm* – hier ist es.

Expo

Einen super Abschluss-Tipp habe ich von Isabell Schmitt-Egner auf Facebook. Sie hat in einer Gruppe auch einen sehr guten Beitrag über das Exposéschreiben verfasst.

„Übersichtlich und essenzmäßig das Wichtigste mitteilen. So, dass der Lektor, der das liest, einem anderen von eurer Geschichte erzählen kann und der nächste das auch noch versteht. Das Exposé ist nicht eure Bühne, sondern die eures Buches. Es ist ein Buch-Casting, in dem nur echte Leistung zählt und keine Augenwischerei. Die Verlage haben genug Erfahrung und kennen alle Tricks, mit denen man ihnen was unterzujubeln gedenkt. Also versucht es erst gar nicht. Stellt eure Geschichte so dar, wie sie ist.“

Ich hoffe, dieser Artikel hilft euch weiter. Bei Fragen gerne melden :)

Pfote

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13 Kommentare leave one →
  1. 21. April 2017 16:42

    Danke für das Beispiel! Das wird mir sicher helfen. 😃

  2. ankeheyen permalink
    21. April 2017 17:04

    Daaaaankeschön! So nett, dass du diesen Text gepostet hast!

  3. 22. April 2017 06:49

    Super beschrieben – die Seite wandert in meine Favoriten ;-)

  4. 22. April 2017 16:19

    Ich dem Buch „Fantasy schreiben und veröffentlicht“ sind 3-4 Exposés von namenhaften deutschen Fantasy-Autoren abgedruckt. Nur, falls jemand noch anderweitig Inspiriation sucht ;)
    in jedem Fall danke für den Einblick in deine Arbeit :)

    • 24. April 2017 12:07

      Hab ich gleich mal auf Amazon gesucht. Das Buch ist von 2015, also noch recht aktuell. Danke für den Tipp.

  5. 24. April 2017 10:01

    Schöner Artikel! Allerdings finde ich es wichtig, den Namen des Protagonisten im ersten Pitch anzugeben. Figuren habe ich bislang immer rausgelassen und in der Inahltsangabe eingearbeitet.

    • 24. April 2017 12:09

      Danke :)
      Ja, wahrscheinlich hast du Recht mit dem Namen. Das Mit den Figuren habe ich die ersten Male auch nicht gemacht und die Umstellung war ungewohnt. Mittlerweile finde ich es ganz nützlich. Aber es gibt da natürlich nicht nur einen Königsweg … ;)

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