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Corona, was machst du mit mir???

3. April 2020

Eigentlich geht es mir gut. Ich darf noch arbeiten. Ich habe ein Stück Garten hinterm Haus und den Wald vor der Haustür. In meinem Umfeld sind alle gesund. Mein Vorrat an Hefe und Nudeln reicht noch bis nächste Woche.

Trotzdem bin ich jeden Abend völlig fertig. Ich bin gereizt, komme nicht zur Ruhe.
Was ist da eigentlich los? Was passiert mit mir? Mit den Menschen um mich herum? Warum macht mich das alles gerade so fertig?

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Mein ganzes Leben steht Kopf – pausenlos

Es gibt nun wirklich keinen Lebensbereich, den Corona nicht für sich erobert hätte. Mein Beruf (leere Flure, Onlinemeetings, Homeoffice), meine Familie (Kind wird „heimbeschult“, Besuche bei den Eltern und Geschwistern fallen aus). In den Medien und im Bekanntenkreis gibt es kein anderes Thema mehr. Doch ich muss nicht einmal darüber reden. Wann immer ich beim stillen Waldspaziergang einem anderen Menschen begegne, werde ich durch den erhöhten Sicherheitsabstand daran erinnert, dass das Virus die Welt voll im Griff hat. Es gibt kein Entkommen, kein Abschalten, keine Pause.

Das unsichtbare Monster lauert unter meinem Bett

Gehe ich die Straße entlang, durch die Gände im Supermarkt oder warte ich an der Ampel komme ich mir derzeit manchmal vor wie in einem Horrorfilm. Alles sieht normal und arglos aus, aber im Hintergrund läuft der Soundtrack mit den schrillen Geigen. Mit angehaltenem Atem erwartet man, dass gleich aus irgendeinem Schatten der Serienmörder hervorspringt. Fast schon sehnt man ihn herbei, diesen erlösenden Moment, in dem die Bedrohung endlich greifbar wird.
Aber dieser Moment kommt nicht. Die Bedrohung bleibt latent, im Hintergrund, unsichtbar. Ich kann sie ja nicht einmal wirklich einschätzen, diese Gefahr. Ich sehe Statistiken, bunt eingefärbte Landkarten, aber wirklich greifbar wird das ganze dadurch nicht. Schon Alfred Hitchcock wusste, wie man wirklich Horror erzeugt. Durch eine Bedrohung, die unsichtbar bleibt. Unsere Fantasie erledigt den Rest.

Die Welt ist ein fremder Planet

Brötchen kaufen, neue Leute kennen lernen, jemanden nach dem Weg fragen. Vor ein paar Monaten wusste ich noch, wie das geht. Ich kannte mich aus in meiner Welt. Heute stehe ich mit 1,5 Meter Abstand vor dem Bäckertresen und frage mich, ob ich wohl nahe genug herantreten darf, um mein Kleingeld in die Schale zu legen. (Darf ich überhaupt noch mit Münzen zahlen?)
Hebe ich besser grüßend die Hand oder sage ich lieber nichts, während ich auf die andere Seite des Weges ausweiche, weil mir jemand entgegen kommt? Die impliziten Normen und Regeln unseres sozialen Miteinanders sind komplett ausgehebelt. Ständig muss ich überlegen, wie ich mich jetzt am besten verhalte. Ich komme mir vor, wie in einer völlig fremden Kultur, die ich nicht verstehe. Wie auf einem fremden Planeten ohne Reiseführer.

Es hilft schon ein bisschen, zu wissen, was da eigentlich gerade in meiner Psyche abgeht. Aber bisher reicht es nicht, um mich davon zu befreien.

Wie geht es euch? Wie haltet ihr euch in diesen verrückten Zeiten über Wasser?

Alles Gute und bleibt gesund! Und trotz allem frohe Ostern!

Pfote

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